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Aktuelle und kommende Ausstellungen im Museum Abteiberg

Andrea Bowers

Hans Haake

Taocheng Wang

Hiwa K




Andrea Bowers – Grief and Hope
15. März – 25. Oktober 2020

Eröffnung: Sonntag, 15. März 2020, 12 Uhr
14 Uhr Ausstellungsgespräch mit Andrea Bowers

Andrea Bowers, My Name Means Future, 2019
Andrea Bowers, My Name Means Future, 2019

Umwelttrauer ist ein Begriff für die Trauer um Natur und ihre Lebewesen. Schon vor rund zwanzig Jahren wurde 'environmental grief' als eine Trauer beschrieben, die beim Erfahren oder Vorhersehen eines Verlusts in der Natur erlebt wird, von tierischen oder pflanzlichen Arten, von Ökosystemen oder von Landschaften, die aufgrund akuter oder chronischer Umweltveränderungen sterben. Es gibt Anzeichen dafür, dass das sechste globale Massenaussterben begonnen hat. Dass unser globales Ökosystem immer schwächer und die gesamte Biosphäre durch menschliches Handeln auf irreparable Weise zerstört wird. Unter dem Titel "Grief and Hope" (Trauer und Hoffnung) zeigt das Museum Abteiberg in einer großen Einzelausstellung die multimediale Arbeit der Künstlerin Andrea Bowers. Sie versammelt zentrale Werke ihrer langjährigen Auseinandersetzung mit Umweltaktivismus, Ökofeminismus und Klimagerechtigkeit. Bowers' Werk ist hochaktuell und zugleich Zeugnis für eine Zeit von rund zwanzig Jahren, in denen sich die heutige ökologische Krise unserer Welt anbahnte und nur wenige Künstlerinnen und Künstler den Umweltaktivisten dieser Jahre so nah waren wie diese US-Amerikanerin. Die Überblicksschau im Museum Abteiberg versammelt Objekte und Materialien aus der gesamten Zeit, von den frühen bis zu ganz aktuellen Sujets. Sie wird eine Verklammerung von Kunst und Aktivismus im Werk von Andrea Bowers aufzeigen, die existentielle Fragen nach der Aktivität von Gesellschaft und Kunst stellt. Angesichts der geografischen Lage von Mönchengladbach unmittelbar am rheinischen Kohlerevier von Garzweiler und Hambacher Forst ist Bowers' Projekt im Museum Abteiberg eine Ausstellung, die konkrete lokale Anschlüsse hat.

Die in Los Angeles lebende Künstlerin Andrea Bowers studierte in den frühen 1990er Jahren am California Institute of the Arts in Valencia, CA. In Skulpturen, Filmen, multimedialen Objekten, einem großen zeichnerischen Werk, vielfach textbasierten und dokumentarischen Arbeiten zeigt sie seither ihr Vermögen, ästhetische Praxis mit einer politischen Haltung, einer feministischen, sozialen und ökologischen Perspektive zu verbinden. Sie demonstriert zivilen Widerstand und dessen Übersetzung in eine künstlerische Sprache. Bowers betreibt eine Arbeit, die von historischem Bewusstsein und archivarischer Neugierde geprägt ist, die unsere Zeit thematisiert und gleichermaßen die Geschichte von politischem Aktivismus und dessen visuelle Sprachen. In ihren Sujets spiegeln sich die Diskurse der vergangenen zwanzig Jahre, die Entwicklungen der Auseinandersetzung über Ökologie, Umwelt- und Klimaschutz. Sie porträtieren auch die sich wandelnden Szenen der Aktivisten, die Trauer, aber auch die Energie und Hoffnung in ihnen – bis hin zur jungen indigenen Widerstandskämpferin Tokata Iron Eyes in Dakota, USA, von der Bowers' neueste Arbeit handelt.

Zur Ausstellung findet ein großes Rahmenprogramm statt. Informationen dazu folgen in gesondertem Flyer, per Newsletter und auf der Website des Museums. Gefördert von der Kunststiftung NRW, der Hans Fries Stiftung und dem Museumsverein.


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Hans Haacke
Kunst Natur Politik

21. Juni – 25. Oktober 2020



Hans Haacke, Live Airborne System, 1965/68
© Hans Haacke / VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Hans Haacke (*1936 in Köln) ist bekannt für seine institutionskritischen Arbeiten, in denen er sozialpolitische Verflechtungen des Kunst(markt)systems aufdeckt und als kritischer Verfechter einer Kunst der 'Aufklärung' gesetzeswidrige und bedrohliche Realitäten thematisiert.

Vom 21. Juni bis zum 25. Oktober 2020 zeigt das Museum Abteiberg die Forschungsausstellung HANS HAACKE. KUNST NATUR POLITIK. Kuratiert von Ursula Ströbele am Studienzentrum zur Kunst der Moderne und Gegenwart, Zentralinstitut für Kunstgeschichte München (12. Dezember 2019 bis 7. Februar 2020), wird sie nun in Mönchengladbach gemeinsam mit Felicia Rappe innerhalb der Sammlung der Kunst der 1960er und 1970er Jahre eingerichtet.
Die Ausstellung dokumentiert Hans Haackes biologische, skulpturale Systeme (circa 1965-72) und beleuchtet die Rolle von Systemtheorie und Kybernetik für Haackes Skulpturverständnis in jenen Jahren. Bilder dieser frühen Arbeiten und Installationsansichten seiner bedeutenden Schau im Museum Haus Lange in Krefeld 1972 zeugen von der Verwobenheit von Politik, Gesellschaft, Ökologie und Umweltverschmutzung im Werk des Künstlers.

In seinem wenig bekannten Frühwerk setzte Haacke Tiere und Pflanzen als Akteure in biologischen "Real-zeitlichen Systemen" (Jack Burnham) ein und nannte diese humorvoll seine "Franziskanischen Arbeiten".

Der namensspendende Heilige gilt als Tierfreund, der mit Tieren kommunizierte und sich ihrer annahm. Gerade diese Arbeiten hinterfragen die Trennung zwischen Kultur und Natur, sind damit signifikant für die Gegenwartskunst.

Mit "Wir (alle) sind das Volk" setzt das Museum Abteiberg im Außenraum nach Stationen unter anderem in München, Chemnitz, Halle (Saale) und Leipzig eine ortsspezifische Arbeit um, die Haacke 2017 für die Documenta 14 in Kassel konzipierte.

Die Forschungsausstellung bildet eine Ergänzung zur Ausstellung Andrea Bowers. Grief and Hope, die von Ökologie, Ökofeminismus und den Aktivistinnen und Aktivisten der heutigen Klimaschutzbewegungen handelt (15. März bis 25. Oktober 2020).

"Hans Haacke. Kunst Natur Politik" wurde in München gefördert von CONIVNCTA FLORESCIT, Verein der Freunde des Zentralinstituts für Kunstgeschichte e.V. Die zweite Station der Ausstellung in Mönchengladbach wird durch die Förderung des Museumsvereins Abteiberg e.V. ermöglicht.

Informationen zur Eröffnungsveranstaltung und zum Begleitprogramm werden aufgrund der nicht absehbaren Entwicklung der Corona-Pandemie unter www.museum-abteiberg.de bzw. in späterer Einladung bekannt gegeben.


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Evelyn Taocheng Wang – Sour Gnossiennes

23. August – 25. Oktober 2020

Abschlussausstellung der aktuellen Atelierstipendiatin im Museumscafé

Eröffnung Sonntag, 23. August 2020, 12 Uhr


Foto: Evelyn Taocheng Wang, Mönchengladbach 2019

Evelyn Taocheng Wang beschäftigt sich in ihrem künstlerischen Werk mit Fragen nach individuell und kulturell bestimmter Identität: Wie beeinflusst kulturelle Prägung unsere Selbst- und Fremdwahrnehmung? Wie konstituieren sich Identität und die Wahrnehmung des Körpers? Wang erzählt in poetischen Bildern und Texten Geschichten, in denen persönliche Gefühle, individuelle Dramen mit fiktiven Geschichten verwebt werden. Neben Zeichnungen und Gemälden arbeitet Wang mit Video, Performances und zuletzt mit Kleidung und Stoffen.

Während des sechsmonatigen Aufenthalts in Mönchengladbach hat Evelyn Taocheng Wang Zeichnungen entwickelt, die nun im Café des Museums Abteiberg zu sehen sind. Der Ausstellungstitel bezieht sich auf die kleinen poetischen Klavierstücke des französischen Komponisten Erik Satie (1866-1925). Ihre melancholische Stimmung erinnert Wang an Menschen, die an einem grauen und regnerischen Tag leise auf ihren Bus warten.

Das internationale Atelierstipendium der Stadt Mönchengladbach wird durch die Josef und Hilde Wilberz Stiftung ermöglicht und betreut durch das Kulturbüro Mönchengladbach.


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Ausstellung
Hiwa K - All cities have destruction in common

22. November 2020 – 5. Mai 2021
Eröffnung: Sonntag, 22. November, 12:00 Uhr


Hiwa K, The Existentialist Scene in Kurdistan (Raw Materiality 01), 2017, Video Still
© Hiwa K und KOW, Berlin

Seit seinen künstlerischen Anfängen betrachtet Hiwa K (*1975 in Sulaymaniyah, Irak) seine persönliche Position als kurdisch-irakischer Exilant und Intellektueller.

In vielen Arbeiten problematisierte er die Fremdheit zu seinem Publikum im Exil, die häufige Unvermittelbarkeit von existentiellen Fragen und die grundsätzliche Ferne zwischen Menschen, die beispielsweise in Deutschland oder aber im Irak bzw. im Nahen Osten aufwuchsen und leben.

Hiwa K studierte in Sulaymaniyah Europäische Literatur und Philosophie und ging anschließend zum Musikstudium nach Rotterdam, wo er ein Schüler des Flamenco-Meisters Paco Peña wurde. Als Musiker gewann er enge Kontakte zum Rheinland und lebte für einige Zeit in Düsseldorf.

Danach studierte er bildende Kunst an der Universität Mainz und erregte dort Aufmerksamkeit mit Studienarbeiten, die seinen Status eines der westlichen Kultur und Geschichte fernstehenden, fremden und 'fremdelnden' Intellektuellen thematisierten.

Langzeitarbeiten und generell wenige Objekte mit sehr spezifischen, zeichenhaften Produktionen sind charakteristisch für Hiwa K, ebenso die Reflexion der heutigen Gegenwart und ihrer Geschichte.

Der Titel seiner Ausstellung für das Museum Abteiberg, All Cities Have Destruction in Common zu deutsch Allen Städten ist die Zerstörung gemein, ist ein großes Bild für die Zusammenhänge, die er in Mönchengladbach mit einigen früheren und einer ganz neuen filmischen Arbeit herstellen will.

Im Zentrum der Ausstellung für das Museum Abteiberg wird Raw Materiality stehen. Es ist das Material seiner langjährigen, vielleicht gar absolut zentralen Auseinandersetzung mit philosophisch-gesellschaftlicher Theorie, die er bei jeder Reise zurück in den Irak unternimmt und zum großen filmischen Komplex einer Langzeitstudie angewachsen ist.

Es sind Interviews in der Szene kurdischer Intellektueller im Irak. Er lässt sie über ihre Vergangenheit und ihre Diskussionen der 1970er und 80er Jahre sprechen, intellektuelle Auseinandersetzungen in der Zeit, als in einer schlüsselartigen Verbindung zur Philosophie des Existentialismus einerseits der Individualitäts-Glaube des Neoliberalismus, andererseits der Pessimismus über die Entwicklung der gesellschaftlichen Situation wuchs.

Die GesprächspartnerInnen von Hiwa K berichten aus der Perspektive ihres heutigen Exils oder ihrer anhaltend unsicheren Lage im Nord-Irak, gehen aus der Gegenwart zurück in die Geschichte der vergangenen 50 Jahre im Nahen Osten. Sie rufen den Kalten Krieg, den Iran-Irak-Krieg 1980-88, die beiden Golfkriege in Erinnerung und demonstrieren mit ihrer heutigen Situation, ihrer gealterten Erscheinung, ihrem gegenwärtigen Umfeld gleichermaßen vergangene und aktuelle Dimensionen ihres Denkens.

Hiwa K zeigt mehr als 18 Stunden Film aus dem Irak und bringt sie in eine Darstellungsform, die das Publikum im Museum Abteiberg sowie an mehreren weiteren für die Jahre 2021 ff. geplanten Orten herausfordern wird.

Sein Konzept besagt, dass das Museum nicht nur das gesamte Material ausstellt, sondern auch eine Person auswählt, die es schneidet, auswertet, ediert, kürzt und gewichtet.

Es entsteht ein filmisches Experiment, das von medialen Phänomenen handelt, die uns gerade heute täglich beschäftigen: Schnitte, Zu- und Ausschnitte von Information, Mengen von Geschichte und Gedanken, deren Hörbarkeit, Erreichbarkeit, Öffentlichkeit oder Isolation.

Das Konzept des Filmschnitts wird dabei zum Sinnbild für das, was im Hintergrund aller Äußerungen der porträtierten Intellektuellen liegt: der Irak bzw. der Nahe Osten als Ort und Material anderer Mächte, als 'raw material' für die Interessen anderer.

In einer ebenso formal wie metaphorisch operierenden Übernahme dieser historischen Konstante überlässt Hiwa K sein filmisches Rohmaterial anderen Menschen zum Schnitt, zur Auswahl und Interpretation.

Das Ausstellungs- und Filmprojekt mit anschließendem Ankauf wurde gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW und der Hans Fries Stiftung. (HG)


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